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Bounty-Project - English Version

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Bounty-Day

Ein gemeinnütziges Sozialprojekt des pad e.V.

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Alle Jahre wieder Bounty-Day ...

... und 2003 zum ersten Mal auch in Berlin!

Traditionell wird in der Südsee auf der Insel Pitcairn jedes Jahr am 23. Januar ein bis zu drei Meter langes grob gezimmertes Modell der Bounty an der Bootsanlegepier („Landing“) zu Wasser gelassen und in Brand gesetzt, wie es auch die Meuterer mit dem berühmten Original am 23. januar 1790 machten. Dabei kann es schon mal passieren, dass die Pitcairner, die ins Wasser steigen, um die Bounty-Nachbildung mit einer Fackel anzuzünden, von Alarmrufen der an der Pier versammelten Pitcairn-Bewohner aufgeschreckt werden: „Vorsicht! Haie!“  Manchmal kommen diese gefräßigen Räuber der Meere um die Betonpier bis in das kleine Hafenbecken geschwommen! Kam damals bei der „echten“ Meuterei niemand ums Leben, so sollte das natürlich auch mehr als 200 Jahre später nicht passieren! Doch bisher hat der Anblick der Dreiecksflossen noch nie die Zeremonie verhindern können. So einfach lassen sich die Pitcairner nämlich nicht um ihre Tradition bringen. Sie verspritzen einfach etwas Feuerzeugbenzin und tatsächlich: die Haie haben sich bisher jedes Mal verzogen. Die "Bounty"-Kopie konnte also doch angezündet werden und brannte lichterloh. Danach war wie immer ein großes gemeinschaftliches Barbecue aller Pitcairner angesagt.

Pitcairn Island: Bounty Day 23.01.2003

 

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Getreu dem historischen Original hatten wir unseren ersten Berliner Bounty-Day 2003 auch auf den 23. Januar gelegt. Über 50 Schüler, Betreuer, Projektmitarbeiter und Gäste - unter ihnen auch der Geschäftsführer des pad e.V., Dr. Wolfgang Drahs - waren unserer Einladung ins Jugendhilfezentrum „Haus am Akaziengrund“ gefolgt. Mehr Menschen kommen selbst zum Bounty-Day auf der Insel Pitcairn nicht zusammen! (... aber auch nicht wieder weg!)

Die Kinder der Tagesgruppe und Sozialen Gruppenarbeit hatten gemeinsam mit den Mitarbeitern des JHZ für die Veranstaltung den größten Raum, der sonst als Elterncafé genutzt wird, vorbereitet und passend zum Thema des Tages eine ganze Wand mit Bounty-Filmplakaten, einem großen Poster mit dem Porträt von Käpt’n Bligh, Zeichnungen u.a.m.  geschmückt. Musik aus dem Londoner Erfolgs-Musical „Mutiny“ von David Essex und aus der Kinderrevue des Berliner Friedrichstadtpalasts „Kinder der Bounty“ sowie einheimische traditionelle Gesänge von der Insel Pitcairn bildeten den stimmungsvollen akustischen Rahmen für unseren Bounty-Day.

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Volkmar Schmid, unser ehrenamtlicher Projektberater und Bounty-Enthusiast gab zum Beginn der Veranstaltung eine kurze Einführung in die Geschichte der Meuterei und zum historischen Hintergrund für die Tradition des Bounty-Tages. Es war schon sehr interessant zu erfahren, wie brutal, hart und entbehrungsreich es vor über 200 Jahren auf britischen Kriegsschiffen zuging und dass eigentlich alles mit der „Brotfrucht“ begann. Natürlich konnten wir uns sehr gut vorstellen, dass nach fast 6 Monaten vergnüglichem Leben an Land im Südsee-Paradies Tahiti mit rauschenden Festen und leicht bekleideten hübschen Hula-Mädchen die Besatzung der Bounty nur ungern wieder an Bord der Bounty in die stickige Enge unter Deck zurückkehrte. Die besten Plätze an Bord waren ja den Brotfruchtsetzlingen vorbehalten! Jetzt hieß es wieder Dienst tun unter der strengen Fuchtel des jähzornigen Kapitäns Bligh, und das bei der an Bord üblichen miserablen Schiffsverpflegung. Wenn das kein Grund zum Murren und Ursache für Konflikte war? Ein Recht auf Kündigung gab es ja bei der britischen Marine damals nicht – blieb also nur Meuterei! Uns geht es ja nach dem wochenlangen Nichtstun in den Sommerferien ähnlich. Wer will da schon gern wieder jeden Tag zeitig aufstehen und freiwillig zur Schule gehen!

Und auch die späteren Verbrechen auf der Insel Pitcairn sowie die Ereignisse auf der HMS Pandora hörten sich für die Zuhörer spannend wie ein Thriller an unter dem Titel „Tatort Südsee“.

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Wer kennt nicht die Sprichwörter: „Reisen bildet!“ oder „Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen!“ Als Ehrengast unserer Veranstaltung konnten wir Ulli Kulke begrüßen. Herr Kulke ist deutschlandweit allen Bounty-Fans als Autor der Pitcairn-Kolumne bekannt, die regelmäßig in der Zeitschrift MARE erscheint. Monatlich berichtet er in einer lockeren und vergnüglichen Art über die heutigen Nachfahren der Bounty-Meuterer und über aktuelle Tagesereignisse auf der Insel Pitcairn. Und weil Herr Kulke anlässlich der 200-Jahr-Feierlichkeiten 1989 persönlich die Insel Pitcairn besuchte, konnte er uns quasi „live“ und aus „erster Hand“ von seinem unvergesslichen Reiseabenteuer in die Südsee berichten.

Staunend hörten wir von manchen Besonderheiten des Lebens auf der wohl einsamsten und abgeschiedensten Insel der Welt. Angefangen von der abenteuerlichen Reise und Anlandung in der Bounty-Bucht, über Bulldozer am Fallschirm bis hin zu der weithin unbekannten Tatsache, dass die an hohen Bäumen wachsenden Brotfrüchte auf Pitcairn mit dem Gewehr „geerntet“ werden. Bei uns schießt man auf Spatzen oder auf Hasen und auf Pitcairn eben auf Brotfrüchte! Wie heißt es doch: andere Länder – andere Sitten. Leider war es Herrn Kulke, wie er zugab, trotz zahlreicher Versuche nicht gelungen, jemals eine Brotfrucht zu treffen. Die Pitcairner hingegen bewiesen erheblich mehr Übung und Geschick, die grünen, kindskopfgroßen und bis zu 25 m hoch hängenden Früchte mit ihren Gewehren am dicken Stiel zu treffen und von den Bäumen zu schießen. Denn wer will schon auf sein Leibgericht verzichten, nur weil er nicht trifft!

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Heute haben wir uns in jedem Supermarkt oder beim Gemüsehändler um die Ecke an den Anblick exotischer Früchte gewöhnt. Selten genug kennen wir deren Namen. Und wer weiß schon, wie Brotfrüchte schmecken? Und weil die Meuterei auf der Bounty ohne die berüchtigte Brotfrucht („Breadfruit“ – lat. Artocarpus altilis) sich nie ereignet hätte, sollte es natürlich aus Anlass des Bounty-Tages für unsere Gäste auch echte „Brotfrüchte“ zu bestaunen geben. Doch während die Brotfrucht im gesamten pazifischen Raum, auf Pitcairn und in der Karibik verbreitet ist und dort zu den Hauptnahrungsmitteln gehört, ist sie hierzulande nahezu unbekannt. Viele haben noch nie von dieser Frucht gehört, geschweige denn wissen sie, wie die Brotfrucht aussieht, wo sie wächst, wie sie reift, wie und was man davon isst, wie man sie zubereitet. Und kaum jemand hat je eine Brotfrucht in den Händen gehalten oder gar von dieser exotischen Frucht probiert. Und wo bitteschön, bekommt man in Berlin Brotfrüchte zu kaufen? Nicht einmal die für ihre Vielfalt an ausgefallenen exotischen Früchten berühmte Feinschmeckerabteilung des KaDeWe und das Nobelhotel ADLON führen die Brotfrucht im Angebot bzw. auf der Speisekarte. Schließlich gelang es uns doch noch, einen Fruchtimporteur ausfindig zu machen, der uns versprach, Brotfrüchte zu besorgen. Wirklich! Rechtzeitig zum Bounty-Day trafen am 22.Januar 4 Brotfrüchte mit dem Flugzeug in Berlin ein. Und das Beste war, der Obsthändler übernahm sämtliche Kosten und spendete die Brotfrüchte unserem Bounty-Projekt! Vielen Dank noch einmal für diese großzügige Obstspende. ;-))

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Wir waren stolz darauf, als Berliner Bounty-Kids an unserem Bounty-Day in Deutschland – wenn nicht sogar in Europa – die erste Kinder- und Jugendgruppe zu sein, die jemals eine Brotfrucht in den Händen hielt. Doch irgendwie hatten wir uns diese schicksalhafte Frucht, die durch die Meuterei auf der Bounty zu zweifelhaftem Weltruhm gelangte, nach all den Beschreibungen anders vorgestellt: größer, grüner und weniger stachelig!*

Nicht nur anfassen konnten wir die Brotfrüchte, wir durften sie auch verkosten und uns von ihrem Geschmack persönlich überzeugen. Der herzhaft zubereitete Brotfruchtsalat war sicherlich nicht nur vitaminreich und gesund, sondern schmeckte auch unbekannt exotisch-fruchtig. In seiner Beschaffenheit erinnerte das Fruchtfleisch der Brotfrucht dabei irgendwie an Artischocken. Im Anschluss gab es noch ein „Bounty-Barbecue“ mit Bratwürsten und Bouletten vom Holzkohlegrill, den unser Hausmeister, Herr Herdt (nomen est omen!) inzwischen im Freien zum Glühen gebracht hatte. In dieser ungezwungenen Atmosphäre klang unser erlebnisreicher und informativer Bounty-Nachmittag nicht nur gemütlich, sondern sogar „stilecht“ aus. Die Gäste nutzten die Gelegenheit, Herrn Kulke noch mit zahlreichen Fragen über Pitcairn zu „löchern“ oder schauten sich die ausgestellten Pitcairn-Postkarten, Bounty-Briefmarken und Silbermünzen an.

Gern kam Ulli Kulke unserer Bitte nach, sich in unser Gästebuch einzutragen. Der Kommentar unseres weitgereisten Ehrengastes:

„... Es freut mich sehr, dass meine Lieblingsinsel Pitcairn nun hier in Berlin stattfindet, und dass ich mich als „Pitcairn-Fahrer“ daran beteiligen kann. Die Geschichte der Meuterer und ihrer Nachfahren zeigt doch wieder, dass nichts so spannend ist wie die wahre Historie.“

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1 Als die Meuterer unter ihrem Anführer Fletcher Christian nach monatelanger Irrfahrt durch den Südpazifik endlich im Januar 1789 das Ziel ihrer Reise erreichten, die auf den Seekarten falsch eingezeichnete unbewohnte Felseninsel Pitcairn, verbrannten sie aus Furcht vor Entdeckung ihr Schiff in der später danach benannten Bounty-Bucht, nachdem sie zuvor alles Brauchbare von Bord an Land geschafft hatten. Oder wollten die Meuterer damit lediglich die letzte Möglichkeit einer Rückkehr verhindern? Heute wird auf der Insel Pitcairn der 23. Januar offiziell als Bounty-Day begangen.

Auch auf der Insel Norfolk, wo heute die meisten der Bounty- Nachfahren leben, wird jedes Jahr am 8. Juni der Bounty-Day gefeiert. Damit wird der Ankunft der 194 Pitcairner gedacht, die 1856 von Pitcairn auf die ehemalige britische Sträflingsinsel Norfolk umgesiedelt wurden. Die Familien der Bounty-Nachfahren nutzen heute diesen Tag zu Familientreffen, gemeinsamen Ausflügen, Picknicks usw.

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Fotos vom Berliner Bounty-Day 23.01.2003 im JHZ Berlin-Marzahn

Ulli Kulke - besuchte 1989 die Insel Pitcairn und verfügte als einziger Gast über Brotfrucht- Schießerfahrung

Bounty-Picknick bei 4°C Außentemperatur

Hinweis:

Wenn ihr wissen wollt, was sonst noch in den vergangenen Jahren auf der Insel Pitcairn geschah, dann schaut doch im Internet nach bei www.mare.de/pitcairn/pitcairn.html

In der Pitcairn-Kolumne von Ulli Kulke könnt ihr alle Neuigkeiten erfahren.

„Kinder entdecken die Bounty“
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